TV-Tipp: Das geheime Frauengefängnis der DDR

Am Samstag, 14.11. 2009, zeigt SPIEGEL TV im Rahmen
der großen Samstagsdokumentation „Unter Verschluss – Die geheimen Schicksale der DDR-Frauen“:
Eingesperrt um frei zu sein –
das geheime Frauengefängnis der DDR
20:15 bis 22:15 Uhr auf VOX
Ein Film von Susanne Gerecke und Kay Siering

Sieben Meter hohe Mauern, eiskalte Zellen und sadistische Wärterinnen: Das Frauengefängnis Hoheneck im Erzgebirge gehört zu den dunklen Geheimnissen der DDR. In der 700 Jahre alten Burg verbüßten kriminelle Straftäterinnen, aber auch politische Gefangene langjährige Strafen. Die Haftbedingungen waren katastrophal, zahlreiche Insassinnen begingen Selbstmord.
Was genau sich hinter den dicken Mauern abspielte, drang nicht an die Öffentlichkeit. Auf keiner Landkarte war das 55.000 Quadratmeter große Areal verzeichnet. Alles, was dort geschah, ist ausschließlich in geheimen Akten festgehalten worden.
Die SPIEGEL TV Autoren Susanne Gerecke und Kay Siering haben monatelang recherchiert, um die Wahrheit über Hoheneck herauszufinden. Exklusiv-Interviews mit ehemaligen Häftlingen verdeutlichen die Hoffnungslosigkeit der Insassinnen. Erstmals äußern sich auch frühere Aufseherinnen zu den Geschehnissen in der Burg. Bisher unveröffentlichte Archivbilder zeigen das Innenleben der Gefängnisfestung.
Es ist der 19. Februar 1977, kurz nach 22 Uhr, als für Eva-Maria Neumann die Welt zusammenbricht. Eingepfercht im Kofferraum einer Mercedes-Limousine will sie gemeinsam mit ihrem Mann Rudolph und der dreijährigen Tochter Constanze in die Bundesrepublik fliehen. Doch an der Grenzübergangsstelle Hirschberg entdecken DDR-Soldaten die „Republikflüchtlinge“ – die junge Familie wird auseinandergerissen. Was Eva-Maria Neumann damals noch nicht weiß: Es sollen fast vier Jahre vergehen, bis sie Ihre geliebte Tochter wiedersehen wird. Für die 26-jährige beginnen die schlimmsten Jahre ihres Lebens: sie wird nach Hoheneck gebracht.
21 Frauen hausen dort in einem Verwahrraum. Mit zeitweise mehr als 1.600 Insassinnen ist die Burg hoffnungslos überfüllt. Wer sich nicht an die strengen Regeln hält, wird in die alten Verliese der Burg gesperrt. Am meisten gefürchtet: die sogenannte Wasserzelle. Erstmals bestätigen ehemalige Häftlinge, dass die Zelle, in der Frauen stundenlang im Wasser stehen mussten, auch tatsächlich benutzt wurde.
Manuela Polaszczyk ist 20 Jahre alt, als sie ihre dreijährige Haftstrafe auf Hoheneck antritt. Sie wollte mit einer Freundin über die Ostsee in Richtung Bundesrepublik zu ihrem Vater fliehen. Der Fluchtversuch misslingt. Vierzehn Monate verbringt die junge Frau in Haft. Vierzehn Monate, die ihr Leben verändern und bis heute prägen. Sie erinnert sich: „Als ich dort ankam, war ich ein kleines, naives Etwas. Als ich rausging, habe ich mich gewundert, dass ich überhaupt noch lebe. Ich war um 50 Jahre gealtert. Geistig, körperlich, seelisch.“
20 Jahre nach dem Fall der Mauer begibt sich Manuela Polaszczyk auf die Spuren ihrer Vergangenheit. In den Stasi-Akten ihres Vaters, der vor ihr aus der DDR geflohen war, macht sie eine schmerzhafte Entdeckung. Verraten haben sie die Menschen, die ihr am nächsten standen.
Auf Hoheneck ist der Alltag der Häftlinge durch ein strenges Drei-Schicht-System geregelt. In den Produktionshallen im Südflügel müssen die Frauen Waren für den Westen produzieren – von der Damen-Strumpfhose bis zum Oberhemd. Die Einhaltung der militärischen Disziplin überwachen Frauen wie Irina Kreuzer. Mehr als acht Jahre lang war sie als Aufseherin tätig. „Wir haben nur die Befehle ausgeführt“, rechtfertigt sie das strenge Regiment der Wärterinnen. „Die Häftlinge sind ja nicht ohne Grund verurteilt worden.“
Die Frauen von Hoheneck sind der Willkür der DDR-Führung hilflos ausgeliefert. Von ihren Büros im Verwaltungsgebäude der Burg steuert die Stasi den Einsatz von Spitzeln in den Zellen. Die als Schicksalsgenossinnen getarnten Frauen sollen den Häftlingen Namen von möglichen Komplizen entlocken. Um die politischen Häftlinge zu verunsichern, werden diese bevorzugt mit Mörderinnen in eine Zelle gesperrt.
Für manche wird die Zeit im Gefängnis so unerträglich, dass sie sich absichtlich verletzen, um auf die Krankenstation zu kommen: sie schlucken Löffel und Gabeln
oder schieben sich Nähnadeln unter die Haut.
Der Film erzählt auch eine bislang unveröffentlichte Geschichte vom Beginn der friedlichen Revolution in Leipzig. Im Februar 1988 ruft Angelika Kanitz in einem Flugblatt zu einer friedlichen Demonstration auf. Auf einer Seite bringt die damals 34-jährige Kellnerin ihren Unmut zu Papier. Sie schreibt: „Wir wollen lieber heute als morgen die DDR verlassen. Wir bitten nicht mehr, wir fordern, lasst uns hier raus !!!!“
Innerhalb weniger Wochen kommt die Stasi Angelika Kanitz auf die Spur. Das Flugblatt soll sie drei Jahre ihres Lebens kosten. Später wird sie von der Bundesrepublik freigekauft.
Dieses Glück hatte Ute Gesche nicht. Sie musste die volle Haftzeit als politische Gefangene absitzen – zwei Jahre und sechs Monate. Die Germanistikstudentin aus Ostberlin verliebt sich im Dezember 1981 in einen Westberliner. Unter der Plane eines holländischen LKWs versucht sie ein Jahr später die Grenze zwischen Ungarn und Österreich zu passieren. Doch der Plan wird verraten. Die Flucht von Ute Gesche entzweit ihre Familie. Der Vater, ein hoher NVA-Funktionär, wird in die Reserve versetzt. Bis heute überzeugt von der Idee des Sozialismus, bekennt er sich trotzdem zu seiner republikflüchtigen Tochter. Ihr Bruder – auch Offizier der NVA – bewachte die Mauer an der Bernauer Strasse in Berlin. Bis heute reden die Geschwister kaum miteinander.
Die Autorin Manuela Polaszczyk hat ihre Geschichte im Twilight-Line Verlag mit folgenden Büchern veröffentlicht:
- DDR – Erwachsen werden ist schwer
- Sehnsucht – Erwachsen sein ist nicht leicht
- Spuren der DDR-Vergangenheit
Besonders empfehlenswert ist hierbei der Titel Spuren der DDR-Vergangenheit, in welchem Manuela Polaszczyk einen Einblick in ihre Stasi-Akte gewährt.



ich habe am sonnabend diesen beitrag im fernsehen mir angesehen und seit dem geht es mir wieder seelisch sehr schlecht den auch ich kenne diese mauern von innen nur mit einem unterschied ich war 14 jahre alt und kein republick flüchtige ich wurde genauso misshandelt obwohl ich noch nicht mal jemanden getötet hatte -wie die frauen die ihre kinder umgebracht haben- aber von uns die in der jugendstation sassen spricht man auch heute noch nicht auch unsere seelen sind kaputt und ich frage mich heute noch warum den ich war 14 jahre alt und mußte in dieses gefängnis oder sind wir es nicht wehrt, das man auch an uns denkt nur weil wir nicht über die grenze wollten?auch ich würde gerne den heutigen menschen, die immer noch sagen es ging uns gut wie es vielen jugendlichen ergangen ist die nur ;etwas andere Fragen stellten
Zu diesem Thema möchte ich auch auf die Diskussion in unserem Forum hinweisen, zu welcher alle betroffenen Personen gerne eingeladen sind. Die Registrierung im Forum ist völlig kostenlos und unverbindlich.